Weit weg vom Mainstream

Die Neurologin Dr. med. Ute Rentz zeigt in Schwerin Foto-Ausstellungen des Magdeburger Fotografen Rayk Weber

Dr.med. Ute Rentz Fachärztin für Neurologie

Lübecker Str. 111/113, 19059 Schwerin

Nach New York kam Indien: Die Neurologin Dr. med. Ute Rentz umgibt sich gern mit Bildern. Nach der Ausstellung „Mr. Weber in New York“ hat sie in ihren Schweriner Praxisräumen die Schau „Schönes Herz – die Reise mit Suman“ gezeigt – beides Werkreihen des Magdeburger Fotografen Rayk Weber. Es ist nicht leicht, die anspruchsvolle Frau zu überzeugen – aber, wenn sie berührt ist von den Arbeiten eines Künstlers, dann mit ganzem Herzen. Wie Rayk Weber das gelungen ist, warum die Ärztin überhaupt die Brücke zu Magdeburg schlägt und warum Wände „einfach nicht kahl sein sollten“, erzählt sie im Interview.

Sie haben bis vor kurzem die Mietausstellung „Schönes Herz – Die Reise mit Suman“ von Rayk Weber in Ihren Praxisräumen präsentiert und waren ein halbes Jahr von den Fotos umgeben. Jetzt, wo sie wieder fort sind – vermissen Sie die Fotos?
Dr. med. Ute Rentz:
Ja, ein bisschen vermisse ich sie schon. Allerdings bin ich oft von Bildern und Fotos umgeben. Rayk Weber hatte mit seinen New-York-Bildern einst den Anfang gemacht, seitdem sind hier auch die Werke anderer Künstler zu sehen.

Die Arbeiten von Rayk Weber haben Sie dazu inspiriert, Kunst zu zeigen?
Es war damals einfach so toll, die New-York-Bilder hier zu haben. Und ich mag es, wenn Kunstwerke in meiner Nähe sind. Darum habe ich auch Kontakt zu regionalen Künstlern aufgenommen. Nach der Schau von Rayk Weber zeige ich hier beispielsweise die Malereien einer befreundeten Künstlerin. Es kommt also immer zwischendurch etwas Neues. Ich lasse die Wände nicht kahl. Leere Wände möchte ich einfach nicht anschauen.

Warum zeigen Sie in Ihrem Arbeitsumfeld überhaupt Fotos? Sie könnten ja auch Kunstdrucke oder Tafeln mit Fachbegriffen aufhängen…
Kunstdrucke zu zeigen, ist sicher auch möglich. Fachtafeln gehören eher in mein Untersuchungszimmer, wo ich sie unter anderem dazu benutze, Patienten etwas zu veranschaulichen. Vielleicht hat die Freude, Kunst zu zeigen, auch etwas mit meinem Fachgebiet zu tun. Als Fachärztin für Neurologie interessieren mich die Nerven der Menschen im weitesten Sinne – und nicht zuletzt ihr seelisches Befinden. Darum sollte aus meiner Sicht, das Ambiente in einer Arztpraxis nicht zu steril sein. Als ich mich gemeinsam mit meiner Kollegin in diesen Praxisräumen niedergelassen hatte, war es uns gleich von Anfang an wichtig, eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen, um den Patienten ein gutes Gefühl zu geben. Wir möchten unsere Patienten in einem beruhigenden Ambiente empfangen, haben darum auch passende Farben für die Wände und den Fußboden ausgewählt. Solche Bilder, wie die von Rayk Weber, passen wunderbar dazu. Nicht zuletzt ist die Praxis ein persönliches Umfeld, in dem ich viel Zeit verbringe – ich möchte es auch persönlich hier schön haben.

… und darum mieten Sie sich Ausstellungen…
Dieser Wunsch ist gewachsen und hängt von vielen Faktoren ab. Als Studenten haben wir unsere Wände mit gerahmten Kunstdrucken dekoriert. Heute bieten wir Künstlern die Möglichkeit, ihre echten Werke zu zeigen, kommen mit ihnen ins Gespräch und bauen, bei Sympathie, gern weitere Kontakte auf.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie zu den Fotos von Rayk Weber?
Ich scheine mit meiner Auswahl nicht ganz falsch zu liegen. Zu den Bildern der Ausstellung „Schönes Herz – Die Reise mit Suman“ habe ich sehr viele Rückmeldungen erhalten. Die meisten drehten sich um die Qualität der Aufnahmen und darum, wie schön die Fotos auf den Aluminiumplatten wirken. Nicht nur Freunde und Kollegen, auch viele meiner Patienten, waren sehr beeindruckt von den Indien-Bildern.

Was sagen Ihre Patienten?
Am häufigsten höre ich: „Das sind schöne Bilder.“ Viele bewundern auch die Technik. Einige beziehen sich auf ein Motiv, das ihnen besonders gut gefällt. Ich finde es gut, wenn sich meine Patienten, gerade, wenn sie vielleicht etwas länger warten mussten, mit den Fotos auseinandersetzen. Das heißt für mich im Rückschluss, dass sich der Patient wohlgefühlt hat – die Wartezeit vergeht einfach schneller, wenn man etwas tut und sich beispielsweise die Bilder in den Räumen und Gängen in einer schönen Umgebung anschaut.

Was ist für Sie das Besondere an den Rayk-Weber-Fotos?
Sie beeindrucken mich, weil ich sie als eine Inszenierung empfinde. Das sind nicht nur einfach Fotos. Für mich ergeben sie eine schöne Harmonie von Technik, Qualität und Motivwahl, kein Standard. Darum habe ich auch ein Bild von ihm zu Hause – ich schaue gerade auf das Motiv der Freiheitsstatue im Sonnenuntergang von New York. Dieses Bild ist einfach betörend. Rayk Weber hat ein Händchen dafür, gewisse Momente einzufangen und den Augenblick zu bannen. Das ist weit weg vom Mainstream.

Schwerin und Magdeburg liegen nicht gerade nah beieinander. Wie sind Sie zu Rayk Weber und seinen Arbeiten gekommen?
Ich habe in Magdeburg studiert und hier die erste Zeit gearbeitet, darum habe ich zunächst eine Bindung zur Stadt. Zu meinem 50. Geburtstag habe ich mir besondere Fotos von mir selbst gewünscht. Ich wollte es wissen: Was kann ein Foto-Profi aus einer 50-Jährigen herausholen? Der Zufall wollte, dass mir eine Magdeburger Freundin von einer Fotoreihe erzählte, die sie mit Rayk Weber gemacht hatte. Mein Mann hat den Kontakt zu ihm gesucht, sie haben telefoniert – und eines Tages hatte ich einen Shooting-Termin. Verwandte und Freunde haben mir das Shooting geschenkt, das ich mir gönnen wollte. Danach sind wir in Kontakt geblieben.

Hat er das aus Ihnen herausgeholt, was Sie sehen wollten?
Die Ergebnisse waren fantastisch. Ich war schwer beeindruckt und berührt von den Fotos.

Wie war das damals für Sie vor der Kamera zu stehen?
Ich war anfangs ziemlich aufgeregt. Und wissen Sie, was wir als Erstes gemacht haben? Wir haben gefrühstückt! Wir haben Sekt getrunken und uns menschlich aufgewärmt. Ich konnte meine Sachen mitbringen und wurde geschminkt, was ich zunächst in diesem Maße gewöhnungsbedürftig fand. Rayk Weber hat mir erklärt, dass es für die Aufnahmen so einfach besser ist. Ich habe ihm vertraut – zu Recht, wie sich herausgestellt hat.

Warum haben Sie sich nach der ersten Mietausstellung dafür entschieden, noch weitere Ausstellungen von Rayk Weber zu zeigen?
Ich schätze Profis und kehre gern dorthin zurück, wo ich Qualität geliefert bekomme. Dass die auch ihren Preis hat, geht völlig in Ordnung. Ich möchte ja diese guten Ergebnisse seiner Arbeit zeigen. Hier sehe ich mich durchaus als Frau mit Anspruch.

Wieso haben Sie die Fotoausstellungen jeweils mit einer Vernissage eingeläutet? Sie hätten die Bilder ja auch einfach aufhängen können.
Ich finde es schön, zu solch einem Anlass den Künstler persönlich vorzustellen, der oftmals kleine Geschichten zu den Bildern erzählen kann – was Rayk Weber übrigens immer sehr schön macht. Außerdem finde ich es gut, mit einer Ausstellungseröffnung eine Plattform schaffen zu können, wo sich Kollegen und Freunde jenseits der fachlichen Ebene treffen. Wir können einfach über die Bilder sprechen, schwatzen, uns wohlfühlen bei Häppchen, Sekt und neuerdings auch bei musikalischer Begleitung durch befreundete Künstler aus der Region. Wir lernen dabei neue Sichtweisen und Menschen kennen. Ich kann damit Begegnungen schaffen.