Geschichten, die das Leben zeigt

Im MVZ „Herderstrasse“ sehen die
Patienten viele Fotos von Rayk Weber.
Warum so viele? Warum gerade diese?
Warum nicht — ein Gespräch mit dem Leiter und Geschäftsführer Dr. med. Hans-Hermann Ladetzki.

Medizinisches Versorgungszentrum Herderstraße Praxisklinik für Gefäßmedizin

Herderstraße 21, 39108 Magdeburg
https://www.mvz-herderstrasse.de/

Warum zeigen Sie Fotos in Ihren Praxisräumen?

Dr. med. Hans-Hermann Ladetzki: Ich wollte hier etwas Individuelles zeigen, Fotos
können etwas Besonderes ausdrücken, weil sie einerseits eine Momentaufnahme
sind und andererseits sehr vielschichtig sein können.

Und warum haben Sie sich für die Fotos von Rayk Weber entschieden?

Rayk Weber habe ich im Jahr 2015 bei einer privaten Familienfeier kennengelernt.
Seine Art hat mich damals sehr angesprochen, weil er locker mit den Menschen umgegangen
ist. Allein durch sein Auftreten hat er es geschafft, auch verkrampfte und
fotoscheue Menschen zu öffnen. Und seine Fotos haben mich fasziniert.
Er hat Details von Menschen und Dingen erkannt und auf Fotos gebracht, die ich gar
nicht gesehen hatte. Gerade diese Details haben aber die Atmosphäre unglaublich
gut wiedergegeben.

Was hatte Sie daran gereizt, hier Fotos von ihm zu zeigen?

Ich konnte mir gut vorstellen, die bisherigen Bilder an den Wänden
– alle zu den Themen Gefäßtraining – durch Fotografien von Rayk
Weber zu ersetzen. Der Reiz lag vor allem darin, eine Struktur zu
schaffen, die sich durch viele Ebenen zieht. Das war uns bis dahin
noch nicht so gut gelungen. Mir war klar, dass wir zahlreiche Motive
brauchen, um die vielen Flächen zu füllen. Und dennoch sollte alles
eine Einheit und kein Stückwerk sein. Rayk Weber hatte damals
gerade ganz frisch die Fotos gemacht, die in die Ausstellung „Auf
der Suche nach Liebe – eine kleine Weltreise“ gebündelt werden
sollten. Das war für uns ein Glücksfall, weil wir ja genau das gesucht
hatten: viele Fotos zu einem Thema. Reisen, das passte sogar im
weitesten Sinne zu unseren Bereichen in der Praxis. Denn reisen,
sich bewegen, kann man nun mal am besten, wenn man gesund
ist. Das Ausstellungsthema und die Grundstimmung passen zu uns.
Wir arbeiten ja dafür, dass die Menschen aktiv und gesund bleiben,
dass sie sich öffnen können.

Sie haben mit mehr als 50 Fotos die bisher grösste
Ausstell ung von Rayk Weber gemietet. Sind das nicht ganz
schön viele Bilder?

Es passt genau so, wie es ist. Es ist ja auch nicht so, dass die Bilder
aufgehängt werden und dann ewig hängenbleiben. Wir ersetzen hin
und wieder welche, weil sie verkauft worden sind, weil sie woanders
gezeigt werden sollen, oder einfach, weil wir gern noch mehr zeigen
möchten. Zu Beginn hatten wir auch noch nicht so viele, wollten
dann aber noch einige Lücken füllen. Das war gut so. Es geschieht
nicht selten, dass Patienten, die für einige Zeit auf der Station liegen,
durch das Haus gehen und sagen: „Hier in dieser Ecke hätte ich
jetzt gar kein Foto erwartet.“ So ist diese Schau im Wandel. Wenn
Patienten nach einer längeren Zeit zu uns kommen, entdecken sie
möglicherweise Fotos, die sie beim vorigen Besuch noch nicht sehen
konnten. Das unterscheidet uns sicher auch von vielen anderen
Praxen, wo meist über Jahre die gleichen Bilder oder Gemälde an
den Wänden hängen, die Patienten also immer wieder sehen. Bei
uns kommt noch ein weiterer Effekt dazu: Wer zu uns kommt, ist
meist auf unterschiedlichen Etagen und Räumen unterwegs. Man
kennt also nie wirklich alle Bilder, kann sie aber entdecken, wenn
man andere Wege als zuvor nimmt. Was einem aber immer wieder
begegnet, ist die Lebens-Botschaft. Langweilig wird der Gang
durch die Häuser und Ebenen hier also nicht.

“Ich finde es spannend, wie Rayk Weber mit seinen Fotos und Motiven
nicht nur etwas abbildet, sondern zugleich Geschichten erzählt.“

Wie kommt das bei Ihren Patienten an?

Ich weiß, dass viele Patienten von den Bildern angetan sind.
Wir werden oft darauf angesprochen.

Was sagen sie?

Wir hören beispielsweise oft: „Diese Fotos machen mich neugierig.“
Manche unserer Patienten erzählen uns auch, dass sie von Foto zu
Foto gehen und immer neue Eindrücke erhalten. Dann wiederum
gibt es Patienten, die sich in ein bestimmtes Bild „verliebt“ haben
und uns erklären, warum das so ist.

Über die Fotos kommen Sie also auch gut ins Gespräch …

Ja, das ist so. Man schweift ab – von der Medizin ins Privatleben.
So lernen wir häufig ganz andere Seiten unserer Patienten kennen,
von denen wir sonst nichts erfahren hätten. Das gilt auch für unsere
Mitarbeiter. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass ich die Ausstellung
verlängern möchte.

Die Fotos sind also noch länger als geplant bei Ihnen zu
sehen?

Ursprünglich wollten wir die Fotos hier ein Jahr zeigen, jetzt freuen
wir uns, dass wir die Miet-Ausstellung bis ins Jahr 2020 verlängern
konnten. Ich könnte mir schon jetzt vorstellen, dass wir danach die
nächste Schau von Rayk Weber zeigen. Er hat ja ein breites Portfolio.
Oder er geht bald wieder auf Reisen …

Zahlt es sich für Sie aus, die Fotos zu zeigen?

Es lohnt sich, ja. Allerdings kann man das nicht in Zahlen messen.
Aber über die Fotos findet ein Gedankenaustausch mit unseren Patienten
statt. Wir können mit den Bildern zeigen, dass das Leben so
viel zu bieten hat. Gerade, wenn man krank ist, möchte man doch
Hoffnung und Aussichten haben. Auf den Punkt gebracht lautet
unsere Botschaft hier im MVZ: „Kranksein soll Spaß machen.“
Unsere Patienten sollen nicht am Boden zerstört sein, wenn sie in
unserer Einrichtung sind. Sie sollen sich trotz ihrer Beschwerden bei
uns gut aufgehoben fühlen und sich ihres Lebens freuen.

Das geht doch weit über Ihr Fachgebiet hinaus …

Eigentlich nicht. Denn jeder Mensch hat doch eine Seele. Man
kann und sollte ihn nicht nur auf Krankheit, Diagnose und Therapie
reduzieren. Wir gehen auf unsere Patienten ein und das betrifft nicht
nur das Körperliche. Jeder Mensch hat noch mehr Bedürfnisse, für
die man Verständnis aufbringen muss. Das Leben spielt sich nun
mal nicht zwischen Schwarz und Weiß ab, dazwischen liegt noch
viel Grau. Darum passen diese Bilder hier so gut rein. Sie passen
einfach.

Die Ausstellung im MVZ ist mit einer grossen Vernissage
eröffnet worden – Was für eine Praxis eher ungewöhnlich
ist …

Ungewöhnlich vielleicht, aber dafür war es umso schöner, etwas
ganz Besonderes. Wir konnten Menschen bei uns begrüßen, die
noch nie zuvor hier waren. Wir hatten aus zwei Richtungen eingeladen:
Das MVZ hatte eine Gästeliste und Rayk Weber auch. So kam
ein bunt gemischtes Publikum. Mehr als 250 Freunde, Bekannte,
Patienten, Kooperations- und Geschäftspartner trafen sich in Zelten
auf unserem Parkplatz vor der Klinik mit Essen, Trinken und Live-
Musik. Das Rayk-Weber-Team hat die Gäste durch die Ausstellung
geführt, und am Ende gab es eine Versteigerung zu Gunsten von
krebskranken Kindern. Das ist alles sehr gut angekommen. Ich
hatte vorher die Vernissage einer Fotoausstellung von Rayk Weber
in der „Bäckerei Gehrke“ am Hasselbachplatz miterlebt. Die hat mir
so gut gefallen, dass ich die Idee gut fand, so etwas auch bei uns
um MVZ zu veranstalten. Der Erfolg hat uns recht gegeben.

Wie sehen Sie persönlich die Fotos?

Ich finde es spannend, wie Rayk Weber mit seinen Fotos und Motiven
nicht nur etwas abbildet, sondern zugleich Geschichten erzählt.
Alles macht irgendwie Sinn – der Grund, warum die Bilder entstanden
sind, in welcher Reihenfolge sie zu sehen sind, die Sehnsüchte,
die sie transportieren. Beim Betrachten der Bilder ist alles möglich.

Haben Sie ein persönliches Lieblingsfoto
in der Ausstellung?

Ich mag viele Motive. Das Foto mit dem Titel „Die Traumfrau“ hängt
aber nicht umsonst in meinem Büro. Wenn ich es anschaue, fange
ich oft an, zu philosophieren und zu rätseln. In welcher Stadt mag
das Foto wohl entstanden sein? Wer ist die Frau, die ich nur so verschwommen
erkennen kann? Was ist dort im Hintergrund zu sehen
und warum?